Kreuzfahrt und Umwelt, geht das zusammen?
Kreuzfahrten sind vor allem eines: ein Wirtschaftszweig und durchaus ein Millionengeschäft. D. h. auch, dass die Reedereien primär der Ökonomie verpflichtet sind und es folgt eine klassische ökonomische Weisheit: Gewinne privatisieren, Schäden sozialisieren. Hinter dieser kurzen Aussage steckt erhebliches Spannungspotential, da Unternehmen durchaus gerne alle Gewinne mitnehmen aber durch ihre Tätigkeit entstehende Schäden gerne anderen überlassen. Das ist auch im Bereich Kreuzfahrten so, da hier erhebliche Auswirkungen auf die Umwelt zu spüren sind. Man baut nach wie vor auf billigen Treibstoff und billige Arbeitskräfte. Daher fordern nicht nur Umweltverbände ein Umdenken, auch klassische Zielhafen der großen Pötte wollen nicht mehr mitspielen.
Was genau sind die Probleme
Die Umweltbilanz der großen Kreuzfahrtschiffe ist in der Regel bedenklich schlecht. Ein 'normales' großes Kreuzfahrtschiff stößt an einem Betriebstag im Schnitt soviel CO2 aus wie ca. 84.000 Autos, dazu kommt noch ein erheblicher Ausstoß an Stickoxiden, Feinstaub und Schwefeldioxid. Egal von welcher Seite man es sieht - ein 'klassisches' Kreuzfahrtschiff ist keine Ausgeburt an 'sauberen' Abgasen. Eines der nach wie vor sehr großen Probleme: viele Schiffe fahren aus Kostengründen nach wie vor mit Schweröl und Schweröl ist anerkanntermaßen die unsauberste Art, einen Motor anzutreiben. Bessere Abgasfilterungen wären gut, aber das kostet und es senkt sozusagen den Profit.
Der NABU Deutschland erstellt ein jährliches Ranking und kommt dabei regelmäßig zu ernüchternden Ergebnissen. Immerhin hat die Branche den Willen auch des Endkunden erkannt und hier nachgezogen, seit 2020 stieg der Anteil an Schiffen mit Flüssiggas deutlich an. Besser als Schweröl allemal, aber auch Flüssiggas ist ein fossiler Brennstoff und daher keinesfalls optimal - aber immer noch besser als Schweröl.
Schwer zu sagen, wer oder was hier den Markt regeln kann. Normalerweise wäre es zunächst der 'Endkunde', welcher eben mit solchen Schiffen nicht fahren will. Aber das ist fast schon eine Utopie. Allgemein hofft man auf Regulierungen durch Regierungen. Das wäre durchaus möglich, es gibt schon lange Umweltzonen bzw. Emissionskontrollgebiete auf den Weltmeeren. In diesen Gebieten darf nicht mit Schweröl gefahren werden, in der Regel wird dann Diesel eingesetzt. Auch das ist natürlich nur Kosmetik, denn Diesel ist nun auch nicht der Weisheit letzter Schluss - aber besser als Schweröl, dafür aber auch nicht ganz so gut wie Flüssiggas. Das Problem wird deutlich: zur Zeit zieht man keine Lösungen in Betracht, welche tatsächlich irgendwie in einen nachhaltigen Bereich gehen würden. Alles geht über fossile Brennstoffe und diese sind nachweislich ungünstig.
Problem Schwimmende Städte
Eine andere Sache ist die Tendenz zu den 'schwimmenden Städten'. Von der Branche geschaffen, triggerte man damit sozusagen die Kunden und diese nahmen die Angebote gerne an und wollen heute nicht mehr darauf verzichten. Das hat umwelttechnisch seinen (hohen) Preis. Die Energiebilanz ist miserabel, ein Schiff benötigt im Schnitt soviel Energie wie eine Kleinstadt. Um diese Energie zu erzeugen, benötigt man Antriebsaggregate. Und erneut werden diese in der Regel mit fossilen Brennstoffen betrieben und davon braucht es verdammt viel. Diese Aggregate müssen in der Regel auch im Anliegebetrieb im Hafen laufen. Das ginge anders, manche Hafen machen das auch schon vor. Man kann Landstromanlagen in den Hafen schaffen, an denen sich die Schiffe sozusagen einklinken können und vielleicht sogar optimalerweise mit 'grünem' Strom beliefert werden. In der Praxis durchaus machbar, Projekte gibt es. Der Vorteil: wenn das Schiff im Hafen ist, müssen hier zur Aufrechterhaltung der Infrastruktur an Bord nicht die Dieselaggregate laufen. Damit wäre eine erhebliche Einsparung an Luftschadstoffen möglich. Aber es bedarf hier der Bereitschaft aller Seiten: Hafen müssen die Infrastruktur schaffen, die Schiffsbetreiber müssen die Schiffe dann auch nachrüsten. Da hakt es scheinbar noch erheblich.
Das mit dem Anlegen in Hafen ist ohnehin so eine Sache, Diskussionen u. a. um Venedig verdeutlichen das auch. Zum einen wirkt die Kulisse eines Riesenpottes in einem Hafen bedrohlich. Dazu scheinen die Schiffe allgemein Sicherheitsprobleme zu verursachen. Ein Thema, welches gerne auch von den Hafenstädten unterschlagen wird ist das ökonomische Ungleichgewicht. Diese Schiffe überschwemmen die Hafenorte regelmäßig mit Menschen, leider bringt das den Orten aber wenig bis nichts. Im Gegenteil: die Erträge sind oftmals marginal, die Belastung für die Orte im Vergleich extrem hoch. Ein Kreuzfahrttourist auf Landgang lässt wenig Geld in den Orten, nachweislich deutlich weniger als z. B. der klassische Hoteltourist. Kein Wunder, dass einige klassische Zielhäfen darauf reagieren und das zum Teil drastisch - z. B mit Anlegeverboten für Kreuzfahrtschiffe.
Der Vorwurf von Fachleuten: Reedereien und Reiseveranstalter wollen möglichst viel vom Gewinn, sie kümmern sich nicht um negative Folgen. Oder kurz gesagt: Gewinne privatisieren, Schäden sozialisieren. Am Ende zahlt die Allgemeinheit. Spätestens an dem Punkt sollte man sich auch als Reisender Gedanken machen. Auch die Sache mit den oft diskutierten Arbeitsbedingungen auf Schiffen ist nicht zu unterschätzen. Immerhin hat man sich 2013 auf allgemeine Mindeststandards bezüglich der Arbeitsbedingungen auf Schiffen einigen können. Aber Fachleute bemängeln nach wie vor, dass die Kreuzfahrt-Industrie immer noch vor allem auf billigen Treibstoff und billige Arbeitskräfte setzt.
Fazit: ist nachhaltiges Reisen auf Kreuzfahrtschiffen möglich?
Kurze Antwort: nein. Nachhaltiges Reisen ist de fakto praktisch nicht möglich, egal wie man reist. Beim Reisen hinterlässt man einen ökologischen Abdruck, egal wie man sich anstrengt. Eine Kreuzfahrt z. B. zu einer Ökoreise zu stilisieren, ist daher m. E. paradox. Es gibt immer einen Haken, beim Kreuzfahrtschiff gibt es viele. Sollte man sich den Genuss madig machen lassen: nein. Aber man kann jederzeit als Endkunde mit daran arbeiten, dass sich Dinge bessern. Etwas daran machen kann man, indem man sich vor Reise gut informiert. Welchen Treibstoff nutzt das gebuchte Schiff? Wenn irgendwann das Gros der Kunden nicht mehr mit 'Schweröl' Kähnen reisen möchte, dann wird die Branche aus reinem Eigennutz darauf reagieren. Als 'Kreuzfahrer' kann man sich aber auch selbst prüfen - wie reise ich an? Wäre z. B. die Anreise im Zug statt Flug möglich?
Darüber hinaus empfiehlt z. B. das Umweltbundesamt, die durch die Reise verursachten Schäden über Zertifikate zu kompensieren. Das ist m. E. so eine Sache, mich erinnert es an eine Art modernen Ablasshandel. Man erzeugt Dreck und kauft sich frei - auf solche Ideen können aber am Ende nur Politik und Wirtschaft kommen. Solche Zertifikate oder gar der so genannte Emissionshandel als Ersatz für eine CO2 Bepreisung sind am Ende kaum mehr als eine Augenwischerei. Und: so etwas kann sich vor allem der gut leisten, der viel hat. Und das wirft Fragen auf. Von daher erinnert es nach meiner Meinung schon etwas an einen modernen Ablasshandel, selbst wenn das Geld in sinnvolle Projekte gehen sollte.